Weihnachtsgeschichten 2025

Ivy, die Weihnachts-Muffeline

Im Tierheim Ludwigshafen ist die Adventszeit angebrochen. Draußen glitzern bunte Lichterketten, der erste Schnee liegt auf den Zäunen, und aus dem Radio tönen ununterbrochen Weihnachtslieder.

Ivy, die kräftige Pitbull-Hündin mit den bernsteinfarbenen Augen, liegt in ihrem Körbchen. Sie wartet schon seit Jahren. Immer wieder kommen Menschen ins Tierheim, bleiben kurz vor ihrem Zwinger stehen, mustern sie – und gehen dann weiter. Die Kleinen, die Jungen, die Niedlichen finden schnell ein Zuhause. Ivy bleibt zurück.

Mit jedem Jahr wird ihre Geduld dünner. Und mit jedem Dezember wächst ihre Abneigung gegen dieses Fest, das alle anderen so sehr lieben.

„Jingle Bells, Jingle Bells…“ dudelt es gerade durchs Hundehaus. Ivy knurrt leise.

Jingle Bells? Mir reicht’s. Wenn noch einmal einer über Glöckchen singt, vergrabe ich meinen Kopf für den Rest des Monats.

Die anderen Hunde lassen sich von der Musik anstecken. Manche bellen fröhlich mit, andere springen gegen die Gitter, als wollten sie mittanzen. Nur Ivy bleibt starr liegen, die Ohren eng angelegt, die Pfoten über dem Kopf.

Für sie ist Weihnachten nichts weiter als eine laute, blinkende Erinnerung daran, dass niemand sie will.

Und so lebt Ivy ihren Ruf als offizieller Weihnachts-Grinch des Tierheims – mürrisch, trotzig und fest entschlossen, sich nicht von diesem Fest der Liebe anstecken zu lassen.

✨ Lex’ Weihnachtsgeschichte für Ivy ✨

„Ach Ivy…“, seufzt Lex leise, während er sich in seiner Box zusammenrollt. „Ich weiß, du hältst von Weihnachten gar nichts. Du denkst, das ist nur Lichterkram, Lärm und Hektik. Aber weißt du… ich erinnere mich noch an damals.“

 Seine Augen werden weich, fast ein bisschen glänzend, all die Stärke weicht. „Ich war noch ein Junghund, voller Flausen im Kopf. Zur Weihnachtszeit stand der Couchtisch immer voll mit Plätzchen – diese süßen, warmen Dinger, die nach Vanille, Nüssen und Schokolade duften. Und wenn keiner hinsah… naja, dann habe ich mir einfach welche stibitzt.“

 Lex schnauft leise. „Oh, Ivy, du hättest die Gesichter sehen müssen! Erst waren alle böse – aber dann mussten sie grinsen. Und ich sag dir: diesen Geschmack, den habe ich nirgendwo sonst je gefunden. Süß, warm und irgendwie nach Zuhause.“

 Er schließt kurz die Augen. „Und dann das Knistern vom Kamin… der Duft von frischen Tannenzweigen… leise Musik im Hintergrund. Ganz egal, welchen Blödsinn ich angestellt hatte – an Weihnachten wurde immer gelächelt.“

 Lex schaut Ivy tief an. „Verstehst du, kleine Grinchin? Weihnachten ist nicht nur für Menschen. Es ist dieses Gefühl von Wärme, von Geborgenheit, von Zusammengehören. Und weißt du was? Ich wünsche mir nichts mehr, als das noch einmal in einer Familie erleben zu dürfen. Und ich wünsch mir, dass auch du das irgendwann erleben darfst. Nur einmal diesen Duft, diesen Geschmack – glaub mir, Ivy, es lohnt sich.“

✨ Ivy der Weihnachtszweifler – Janosch erzählt ✨

„Pff, schon wieder dieses ganze Weihnachtsgedöns…“, murrt Ivy und rollt sich in ihrer Decke zusammen. Lichter, Glöckchen, Tannenduft – all das ist ihr fremd. Wie soll man etwas vermissen, das man nie hatte?

 Da setzt sich Janosch neben sie, der große graue Weimaraner mit den wachen Augen. „Weißt du, Ivy“, beginnt er sanft, „für mich war Weihnachten immer die schönste Zeit im Jahr.“

 Neugierig hebt Ivy den Kopf. „Wieso das denn? Ist doch alles nur Deko und Trubel.“

 Janosch lächelt und erinnert sich: „Wenn die Tage kürzer wurden, hat mein Frauchen mich oft zu langen Spaziergängen mitgenommen. Wir sind durch die Wälder gestreift, manchmal sogar mit dem Mountainbike – und ich durfte rennen, so schnell mich meine Pfoten tragen konnten. Wenn Schnee lag, war die Welt plötzlich ganz still, nur das Knirschen unter meinen Pfoten, so weich und dämpfend, dass es ein einmaliges Gefühl war. Fast, als würde die Welt nur für uns beide den Atem anhalten. Danach saßen wir zuhause zusammen, sie hat gekocht, und ich lag zufrieden auf meiner Decke. Ausgepowert, satt und glücklich – mit meinem Kaui zwischen den Pfoten. Kein Stress, nur Geborgenheit. Weihnachten bedeutete für mich: Zeit miteinander. Abenteuer draußen, Wärme drinnen. Einfach: Zuhause.“

 Ivy seufzt leise. Ein kleines Funkeln blitzt in ihren Augen, auch wenn sie es nicht zugeben will. „Klingt… gar nicht so schlimm. Zumindest der Teil mit dem Kaui zuhause auf der Decke, mit seinem Menschen… das könnte ich mir gefallen lassen. Neben einem Mountainbike herrennen und lange Spaziergänge brauch ich nun wirklich nicht so. Aber… ein warmes Zuhause, jemanden an meiner Seite, der einfach da ist – das klingt… schön.“

 Janosch brummt sie sanft an. „Es ist mehr als das. Weihnachten ist nicht nur Glitzer und Kitsch. Es ist dieses Gefühl, dass man dazugehört. Dass man nicht alleine ist, das man ein Zuhause hat.“

 Vielleicht – nur ganz vielleicht – hat Ivy in diesem Moment ein kleines bisschen weniger Grinch im Herzen. Vielleicht ist Weihnachten ja doch nicht nur Lichter und Trubel, sondern etwas, das man fühlen kann. Ein Zuhause, Wärme, Liebe – und die Hoffnung, dass auch sie eines Tages dazugehören könnte.

✨ Zitty und Ivy in der Adventszeit ✨

Zitty, der Hofkater des Tierheims Ludwigshafen, stolziert über den Hof wie ein kleiner König. Für ihn ist klar: Das Tierheim gehört ihm. Alles – die Häuser, die Zäune, die Menschen. Besonders jetzt, in der Weihnachtszeit, fühlt er sich erhaben: überall glitzern Lichter, die Fenster der Nachbarn sind geschmückt, und immer wieder bringen Leute große Tüten voller Spenden. In Zittys Augen sind das keine Spenden fürs Tierheim – nein, das sind Tribute für den König.

 Am liebsten ist ihm, wenn Animonda dabei ist. Dann leuchten seine Augen wie kleine Weihnachtskugeln, und er hofft jedes Mal, dass beim Auspacken etwas für ihn abfällt.

 Doch kaum will er die neueste Lieferung inspizieren, geht die Tür zum Hundehaus auf. Heraus stapft Ivy, die Pitbullhündin, an der Leine. Ihr Blick ist finster, ihr Knurren tief.

„Verschwinde, Kater. Ich hab heut echt keinen Nerv für dich.“

 Zitty setzt sich mitten in den Weg, legt den Schwanz ordentlich um die Pfoten und blinzelt unbeeindruckt.

„Von meinem Hof weiche ich nicht. Schon gar nicht wegen dir.“

 Ivy schnaubt, ihr Gassigeher lacht. „Ruhig, Ivy! Katzen stehen nicht auf dem Speiseplan. Schon gar nicht Zitty. Sonst kommt Knecht Ruprecht und streicht dich von der Geschenkliste!“

 Ivy knurrt leise weiter. Weihnachten ist ihr egal – Glitzer, Musik, fröhliche Menschen? Alles Unsinn. Aber Zitty liebt es. Er liebt die Gerüche, die Wärme, das Rascheln der Spendentüten. Für ihn ist es die schönste Zeit des Jahres. So kurz vor dem Weihnachtsfest stapeln sich die Geschenke für die Tiere. Spielzeug, Decken, Leckerlis – und mitten in einer großen Tüte blitzt es auf: Animonda!

 Zittys Herz macht einen Sprung. Er schleicht näher, so leise wie ein Schatten. Eine Mitarbeiterin lacht: „Na, du kleiner König, hast du’s schon entdeckt?“ Sie öffnet eine Dose und stellt sie extra für ihn hin.

 Zitty stürzt sich darauf, schnurrend vor Glück. Endlich – sein Weihnachtswunder!

 Ivy beobachtet ihn von der Tür aus. Sie rollt zwar die Augen, aber in ihrem Blick liegt kein Ärger mehr – eher ein stilles „Na gut, gönn dir, Kater.“

 Und während draußen die Sterne funkeln und drinnen das Tierheim in warmem Licht erstrahlt, ist Zitty überzeugt: Weihnachten ist nicht nur die Zeit der Menschen. Es ist auch die Zeit der Tiere – und dieses Jahr ganz besonders die Zeit eines Hofkaters, der sein Animonda bekommt.

✨ Gargamel erzählt Ivy von seinem Weihnachten ✨

„Weißt du, Ivy… ich hab Weihnachten nie so erlebt, wie die Menschen es sich vorstellen oder wie es andere von uns hier scheinbar kennen. Kein warmes Feuer, keine Kekse, kein gemütliches Beisammensein. Bei mir war’s immer laut. Da standen Flaschen auf dem Tisch, die Stimmen wurden immer lauter, schriller – und irgendwann flogen Teller und Gläser. Ich lag dann unterm Tisch oder in der Ecke, hab versucht, mich unsichtbar zu machen. Ich dachte immer: Wenn das Weihnachten ist, dann brauch ich das nicht.

 Aber hier im Tierheim ist es anders. Klar, wir haben keine große Tanne mit Kugeln und kein Festmahl wie in den Geschichten. Aber weißt du, was wir haben? Ruhe. Wärme. Menschen, die sich ehrlich um uns kümmern, ohne dass einer schreit oder etwas durch die Luft fliegt. Das ist für mich schon ein kleines Wunder – das erste Mal, dass ich spüre, dass Weihnachten auch leise und friedlich sein kann.

 Und weißt du, Ivy, viele von den anderen hier, die haben Weihnachten in ihrem alten Zuhause ganz anders erlebt. So, wie die Menschen es sich wünschen: mit Plätzchenduft, Lichterketten, Geschenken und kuscheligen Sofaplätzen. Wenn ich ihre Geschichten höre, dann merke ich, dass es das wirklich gibt. Dass Weihnachten nicht nur Krach und Scherben ist.

 Und manchmal, wenn ich daran denke, fange ich an, mir etwas vorzustellen. Nicht dieses bunte, laute Fest, das nie zu mir gepasst hat. Sondern ein stilles, gemütliches Weihnachten. Mit meinen Menschen. Ein voller Napf, ein weiches Plätzchen zum Schlafen, und jemand, der einfach da ist. Ohne fremde Gäste, ohne Theater. Nur wir. Das wäre mein perfektes Weihnachten.

 Also, Ivy… ich verstehe dich, wenn du sagst, du willst mit dem ganzen Kram nichts zu tun haben. Ich dachte früher auch so. Aber vielleicht – nur vielleicht – ist Weihnachten gar nicht so schlecht. Vielleicht ist es sogar die Zeit, in der wir beide anfangen könnten zu glauben, dass da draußen jemand auf uns wartet. Jemand, der uns zeigt, dass Weihnachten nicht laut, nicht kalt, nicht leer sein muss. Sondern echt. So wie wir.“

✨ Die Langsitzer-Weihnacht ✨

Es war ein kalter Winterabend, und feine Schneeflocken rieselten lautlos auf die Gehege herab. Fee, die Amstaff-Hündin, saß in ihrem Auslauf und kuschelte sich in ihren bunten Pullover. Mit gespitzten Ohren lief sie neugierig auf und ab, schnupperte an jeder Ecke, als wollte sie auch dem letzten Schneekristall sein Geheimnis entlocken.

 Plötzlich blieb sie stehen. Ein vertrauter Geruch schlich durch die Luft – Ivy. Drüben, hinter dem Zaun des Außengeheges, war auch Ivy aufmerksam geworden. Ihre Blicke trafen sich, und wie so oft begann ein lautstarkes Wortgefecht. Knurren, Bellen, Jaulen – Beleidigungen flogen hin und her wie Schneebälle.

 Doch noch ehe der Streit seinen Höhepunkt erreichen konnte, zerriss ein ohrenbetäubender Schrei die winterliche Ruhe. Beide Hunde erstarrten wie Salzsäulen. Ihre Augen wanderten gleichzeitig zum Nachbargehege.

 Dort stand Semmel, der stolze Kangal, sein Fell vom Schnee gepudert, und funkelte sie streng an.

„Habt ihr so kurz vor Weihnachten wirklich nichts Besseres zu tun, als euch anzumeckern?“, fragte er mit tiefer Stimme, die über den Hof hallte.

 Fee und Ivy senkten den Blick, ihre Stimmen plötzlich klein und unsicher.

„Schöne Weihnachten hatten wir noch nie …“, murmelten sie fast im Chor.

 Einen Moment war es still, nur der Wind spielte leise mit den Gitterstäben. Dann erklang eine warme, ruhige Stimme von der Seite. Annika, ebenfalls ein Kangal, hatte alles aus ihrem angrenzenden Zwinger beobachtet.

„Verzagt nicht“, rief sie sanft. „Auch wenn wir an Weihnachten vielleicht kein Zuhause gefunden haben, können wir Langsitzer doch zusammen feiern. Wir haben uns – und das zählt.“

 Ihre Augen glänzten, als sie weitersprach:

„Und vergesst nicht: An Weihnachten darf man sich etwas wünschen. Vielleicht gehen eure Wünsche ja bald in Erfüllung …“

 Fee blickte zu Ivy, Ivy zu Fee. Zum ersten Mal funkelte kein Zorn, sondern ein kleines, unsicheres Lächeln in ihren Gesichtern. Semmel nickte zufrieden, während Annika die Nase in die klare Winterluft streckte.

 Und so, mitten im Tierheim, wo die Kälte eigentlich am stärksten wehen sollte, entstand ein kleiner Funke Wärme. Vier Hunde, die von vielen längst vergessen schienen, beschlossen, Weihnachten auf ihre eigene Weise zu feiern – mit einem Stück Hoffnung, Freundschaft und der Gewissheit, dass Wünsche manchmal näher sind, als man glaubt.

✨ Ivy lenkt ein ✨

Es ist der 23. Dezember. Ein kalter Wintermorgen legt sich wie eine Decke über das Tierheim. Im Hundehaus riecht es nach dem warmen Futter, das gerade verteilt wurde. Ivy, die Pitbull-Hündin, liegt zusammengerollt in ihrer Decke und denkt nach. Die Wochen ziehen in Gedanken an ihr vorbei.

Sie erinnert sich an Janosch, den grauen Weimaraner, wie er mit leuchtenden Augen von einem Knochen schwärmt, den er sich zu Weihnachten wünscht. Sie denkt an Fee, die kleine Amstaff-Hündin, die bisher noch nie ein schönes Weihnachtsfest erleben durfte. Und Ivy denkt an Annika, die große Kangalhündin, die immer Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt – und die ihr Mut zuspricht, dass auch im Tierheim Weihnachten schön sein kann.

Und dann ist da noch Rebekka. Ivys Herz klopft schneller, wenn sie an sie denkt. Rebekka, ihre Bezugsperson, ihr Herzensmensch. Sie kommt so oft zu ihr, nimmt sich Zeit, streichelt sie und flüstert leise Worte, die Hoffnung schenken. „Auch für dich wird es ein Zuhause geben, Ivy.“

Gerade in diesem Moment öffnet sich die Tür. Rebekka tritt herein, lächelt, und Ivy springt sofort auf. Ein kleines Ritual beginnt: Der Maulkorb wird ihr sanft angelegt, dann schnallt Rebekka ihr die Leine am Halsband an. Ivy weiß, dass gleich ein Spaziergang folgt.

Zusammen gehen sie den Gang entlang. Beim Herauswatscheln aus dem Hundehaus blickt Ivy nach links, wo Marshall, der kräftige American Bulldog, liegt. Mit einem fröhlichen Bellen ruft sie:

„Hey Marshi, morgen ist Weihnachten – und irgendwie freue ich mich darauf!“

Marshall hebt träge den Kopf, die Lefzen leicht nach unten gezogen. „Seit wann magst du Weihnachten?“, knurrmurmelt er zurück.

Ivy wedelt mit der Rute, ihre Augen leuchten. „Seit heute, denn an Weihnachten sollen doch alle Wünsche in Erfüllung gehen. Und weißt du was? Ich wünsche mir ein Für-Immer-Zuhause. Für uns alle.“

Marshall schweigt einen Moment, sein Blick wird weicher. Fee hebt den Kopf und schaut neugierig, Janosch stupst spielerisch gegen sein Gitter. Sogar Gargamel, der imposante Rottweiler, grollt ein tiefes, zustimmendes Brummen. Und Kater Zitty, der sich auf einem Kratzbaum zusammengerollt hat, reckt den Kopf und miaut zustimmend.

Draußen fallen die ersten Schneeflocken leise vom Himmel. Ivy bleibt kurz stehen, schaut hinauf und sieht, wie ihr warmer Atem kleine Wölkchen in die klare Luft malt. Eine Flocke landet auf ihrer Nase, schmilzt und hinterlässt ein winziges Tröpfchen. In diesem Moment spürt sie, wie sich Wärme in ihrem Herzen ausbreitet.

Vielleicht, denkt sie, wird dieses Weihnachten wirklich besonders.

Denn die Hoffnung – die lebt in jedem von ihnen.