Manche Wochen im Tierheim vergehen ruhig. Andere schreiben Geschichten, die uns noch lange begleiten. Die vergangene Woche gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie war geprägt von Sorgen, von harter Arbeit – aber auch von Hoffnung, Zusammenhalt und einem kleinen Wunder, mit dem kaum noch jemand gerechnet hatte.
Als Valeria zu uns kam
Am Sonntag, den 24. Mai, wurde die Hündin Valeria als Fundhund zu uns ins Tierheim Ludwigshafen e.V. gebracht.
Schon bei ihrer Ankunft war klar, dass etwas nicht stimmte.
Valeria hatte hohes Fieber. Ihre Milchleiste war stark entzündet, sie litt unter einer schmerzhaften Mastitis. Ihre Krallen waren viel zu lang und zeugten davon, dass sie schon längere Zeit nicht ausreichend versorgt worden war. Doch die größte Sorge bereitete uns etwas anderes.
Die Hündin war nach bisherigen Informationen in einem Ludwigshafener Ortsteil einfach zurückgelassen worden. Anwohner wurden auf die Situation aufmerksam und verständigten die Feuerwehr, die das Tier schließlich sicherte. So kam Valeria als Fundhund zu uns ins Tierheim – begleitet von einer ebenso ungewöhnlichen wie beunruhigenden Geschichte. Es hieß, man brauche sie nicht mehr. Zudem wurde behauptet, sie habe ihre Welpen totgebissen. Anschließend sei die Person einfach weggefahren.
Eine Geschichte, die viele Fragen offenließ.
Denn Valerias Zustand passte nur bedingt zu dieser Erklärung. Die ausgeprägte Milchbildung, die Entzündung und verschiedene weitere Umstände ließen uns zweifeln, ob wirklich alle Welpen tot waren.
Beweisen konnten wir zu diesem Zeitpunkt nichts.
Also blieb uns nur eines: Valeria medizinisch versorgen, ihr Sicherheit geben und gleichzeitig versuchen herauszufinden, was tatsächlich geschehen war.
Eine Community hält zusammen
Schon kurz nach ihrer Ankunft entschieden wir uns, die Geschichte öffentlich zu machen. Nicht, um zu spekulieren.
Sondern weil wir hofften, dass vielleicht jemand etwas gesehen hatte oder Hinweise geben konnte. Was dann geschah, hat uns tief beeindruckt.
Unser Beitrag wurde unzählige Male geteilt. Menschen aus der gesamten Region halfen dabei, die Geschichte weiterzutragen. Viele machten sich Gedanken, diskutierten, suchten nach Hinweisen und fieberten mit.
Vor allem aber erreichten uns mehrere anonyme Hinweise aus der Bevölkerung. Jeder einzelne wurde ernst genommen.
Parallel dazu standen wir in engem Austausch mit den zuständigen Behörden. Informationen wurden gesammelt, weitergegeben und geprüft. Viele Menschen arbeiteten im Hintergrund daran, Licht ins Dunkel zu bringen.
Währenddessen versorgten wir Valeria weiter und hofften jeden Tag darauf, dass sich vielleicht doch noch eine Spur ergeben würde.
Samstag – das Wunder, mit dem kaum noch jemand gerechnet hatte
Und dann kam der Samstag. Ein Tag, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Fünf Welpen wurden uns in einem Umzugskarton am Tierheim übergeben.
Fünf kleine Hundekinder.
Nach allem, was wir derzeit wissen, handelt es sich sehr um die Welpen von Valeria.
Ursprünglich gehen wir davon aus, dass der Wurf aus etwa neun bis zehn Welpen bestanden haben könnte. Wo die übrigen Tiere sind und was genau in den vergangenen Tagen geschehen ist, wissen wir bis heute nicht.
Doch in diesem Moment zählte vor allem eines: Fünf Welpen sind da. Lebend.
Ihr Zustand war glücklicherweise insgesamt in Ordnung. Natürlich waren sie erschöpft und mussten sofort untersucht und versorgt werden, doch sie hatten eine Chance. Nach Tagen voller Fragen, Sorgen und Ungewissheit war das ein Moment, in dem bei vielen von uns die Erleichterung überwog. Manchmal erlebt man im Tierschutz Dinge, die schwer zu erklären sind. Dieser Samstag war einer dieser Momente.
Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit
So groß die Freude über die gefundenen Welpen auch ist – jetzt beginnt die Phase, in der es auf sorgfältige Versorgung und viel Disziplin ankommt. Für die Kleinen heißt es zunächst einmal: ankommen. Sie werden engmaschig überwacht, regelmäßig gewogen und medizinisch begleitet.
Bis zur ersten Impfung gelten strenge Hygieneregeln. Infektionen können für Welpen schnell gefährlich werden, deshalb achten wir derzeit besonders sorgfältig auf Hygiene und Schutzmaßnahmen. Auch die Welpenfütterung hat inzwischen begonnen.
Wer schon einmal einen Wurf betreut hat, weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Füttern, kontrollieren, reinigen, dokumentieren, beobachten.
Eine Aufgabe, die Zeit, Personal und Ressourcen bindet, die wir selbstverständlich gerne investieren. Denn genau dafür sind wir da.
Arktos zieht ins Probewohnen
Neben all der Aufregung um Valeria gab es am Wochenende auch eine Nachricht, die uns sehr gefreut hat. Unser Husky-Rüde Arktos durfte in sein Probewohnen ziehen. Manchmal sieht man Menschen und Hund zusammen und spürt sofort, dass etwas passen könnte. So war es hier.
Zwischen Arktos und seinen Interessenten schien vom ersten Moment an eine Verbindung zu bestehen. Nun dürfen sich beide Seiten im Alltag kennenlernen und herausfinden, ob daraus ein gemeinsames Leben wird. Wir drücken ganz fest die Daumen, dass alles so gut weiterläuft wie bisher.
Ohne Ehrenamt läuft nichts
Während manche Tiere medizinische Versorgung benötigen, müssen im Hintergrund auch die ganz praktischen Dinge erledigt werden. Und hier haben unsere Ehrenamtlichen einmal mehr gezeigt, wie unverzichtbar sie für das Tierheim Ludwigshafen e.V. sind. Am Wochenende wurde unter anderem der Zaun an den Hundeausläufen repariert. Außerdem musste eine Klospülung erneuert werden.
Klingt unspektakulär? Vielleicht. Aber genau solche Arbeiten sorgen dafür, dass der Betrieb überhaupt funktioniert.
Tierheime leben nicht nur von Tierliebe. Sie leben von Menschen, die anpacken, reparieren, organisieren, putzen, fahren, bauen und helfen. Dafür können wir gar nicht oft genug Danke sagen.
Die Kittenflut nimmt kein Ende
Während die Geschichte um Valeria viele Menschen beschäftigt hat, läuft gleichzeitig eine andere Herausforderung auf Hochtouren weiter:
Die Kittenzeit. Nahezu täglich erreichen uns Meldungen über schwangere Fundkatzen, mutterlose Kitten oder Tiere in schlechtem gesundheitlichem Zustand. Viele der Katzen sind stark vernachlässigt und benötigen intensive medizinische Versorgung und Pflege. Hochzeit der Überstunden.
Ein kleines Kaninchen auf der Suche nach Sicherheit
Auch ein verängstigtes Fundkaninchen fand am Wochenende den Weg zu uns. Für solche Tiere ist die Situation im Tierheim zunächst oft besonders belastend. Neue Geräusche. Neue Gerüche. Fremde Menschen.
Drei Fundhunde mit Happy End
Zwischen all den schwierigen Nachrichten gab es auch mehrere erfreuliche Wiedersehen. Im Laufe des Wochenendes kamen ein Jagdterrier, ein Malteser und ein Pudel als Fundhunde zu uns. Glücklicherweise wurden alle drei Tiere gesucht und konnten kurze Zeit später wieder von ihren Familien abgeholt werden. Genau solche Geschichten wünschen wir uns für jeden Fundhund.
Deshalb an dieser Stelle ein wichtiger Appell: Bitte sichert eure Tiere und registriert sie bei Tasso.
Ein kurzer Schreckmoment, ein offenes Gartentor, ein nicht richtig sitzendes Geschirr oder ein unachtsamer Augenblick im Straßenverkehr können genügen. Und dann kann innerhalb weniger Sekunden aus einem normalen Tag eine gefährliche Situation werden.
Danke für eure Unterstützung
Zum Abschluss möchten wir einfach Danke sagen.
Danke an alle Menschen, die Valerias Geschichte geteilt haben.
Danke an alle, die Hinweise gegeben haben.
Danke an alle, die mitgefiebert, mitgehofft und mitgebangt haben.
Danke an unsere Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen, Pflegestellen, Unterstützerinnen und Unterstützer.
Und natürlich danke an alle, die unsere Tiere durch Spenden unterstützen.
Aktuell benötigen wir insbesondere (hier gehts zur Wunschliste):
• Einmalhandschuhe in Größe M
• Schuhüberzieher
• Allzweckreiniger
Gerade Einmalhandschuhe und Schuhüberzieher werden derzeit aufgrund der notwendigen Hygienemaßnahmen dringend benötigt und gehören aktuell – neben Geldspenden – zu den sinnvollsten Möglichkeiten, unsere Arbeit direkt zu unterstützen.
Die vergangenen Tage haben wieder einmal gezeigt, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam helfen. Aus Sorge wurde Hoffnung. Aus Ungewissheit wurde ein kleines Wunder.
Und während die Geschichte von Valeria noch längst nicht zu Ende erzählt ist, wissen wir eines ganz sicher: Sie und ihre Welpen sind jetzt dort, wo sie sein sollen. In Sicherheit.