Was für ein Wochenende. Eines von denen, bei denen man am Sonntagabend auf die Uhr schaut und sich fragt, ob wirklich erst zwei Tage vergangen sind. Los ging es bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag. Am Abend und in der Nacht, wurde es bei uns noch einmal turbulent. Fast zeitgleich erreichten uns zwei sehr unterschiedliche Notfälle: ein Nutria und ein viel zu junger Welpe, der bei einer Kontrolle auf der Autobahn aufgefallen war. Der kleine Hund war aus dem Ausland eingeführt worden – viel zu früh von seiner Mutter getrennt. In diesem Alter besteht zudem noch kein wirksamer Impfschutz, insbesondere gegen Tollwut, was solche Fälle besonders problematisch macht, denn leider ist Tollwut ein großes Thema bei Auslandstieren.
Sofort hieß es für unser Team: Hygienemaßnahmen hochfahren, versorgen, beobachten und überlegen, wie wir dem Kleinen helfen können. Keine leichte Aufgabe, denn unser Hundehaus platzt aktuell aus allen Nähten und er muss erst einmal in Quarantäne. Gefühlt könnten wir jeden Zwinger doppelt belegen – und hätten immer noch keinen Platz übrig.
Umso größer war die Erleichterung, als sich schnell eine Lösung fand. Ein anderes Tierheim konnte den Welpen übernehmen, sodass die Tierrettung ihn Samstag mittag direkt dorthin brachte. Auch für unseren nächtlichen Besucher gab es ein Happy End: Das Nutria war unverletzt und durfte als Wildtier wieder an seinen Fundort zurückkehren.
Doch damit nicht genug. Am Samstag wurde außerdem eine Fundkatze bei uns abgegeben. Ihr Zustand machte allen sofort Sorgen. Sie war stark abgemagert, erschöpft und litt unter einer schweren Augenentzündung. Wieder hieß es: Erstversorgung, Ruhe schaffen, medizinische Betreuung organisieren und hoffen, dass sie die Chance bekommt, die sie verdient. Solche Momente gehen keinem von uns spurlos vorbei und erinnern daran, warum Tierschutz manchmal auch bedeutet, schwierige Bilder auszuhalten und trotzdem weiterzumachen.
Währenddessen lief der ganz normale Tierheim-Alltag weiter – und der hat es bekanntlich ebenfalls in sich.
Unsere Ehrenamtlichen waren wieder mit vollem Einsatz dabei. Es wurde Rasen gemäht, der Hof gekehrt, eine neue Klospülung eingebaut, Spenden wurden sortiert, ausgepackt und verräumt. Und als wäre das noch nicht genug, entstand auch noch ein neuer Welpenauslauf. Die kleinen Bewohner ließen sich natürlich nicht lange bitten und nahmen ihr neues Reich sofort in Beschlag. Neugierig wurde geschnuppert, erkundet, getobt und ausprobiert. Es sind genau diese Momente, die einem zwischen all den Herausforderungen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Der Sonntag begann dann allerdings mit einem echten Schreckmoment.
Eines unserer mittlerweile acht Flaschenkinder brach plötzlich zusammen. Fast reglos lag der kleine Kerl zwischen seinen Geschwistern. Für einen Moment hielt jeder den Atem an. Sofort wurde gehandelt: zusätzliche Wärme, vorsichtiges Einwickeln, ständiges Beobachten, Animieren, medizinisch versorgen und Hoffen.
Und dann geschah etwas, woran in diesem Moment kaum noch jemand glauben wollte.
Nach ein bis zwei bangen Stunden saß der kleine Kämpfer plötzlich wieder in seiner Box, maunzte lautstark und verlangte nach Futter. Ein kurzer Moment des Aufatmens ging durch das Team. Natürlich wissen wir, dass der Weg für so junge Tiere oft noch lang und ungewiss ist. Aber an diesem Sonntag durfte zumindest ein kleiner Sieg gefeiert werden.
Zwischen all diesen Ereignissen standen am Mittag auch noch die ersten Vorstellungsgespräche für unseren ausgeschriebenen Minijob auf dem Programm. Die große Zahl an Bewerbungen hat uns sehr gefreut und zeigt, wie viele Menschen Interesse daran haben, Teil unserer Arbeit zu werden. Wie es weitergeht, werden die kommenden Tage zeigen.
Als am Sonntagabend langsam Ruhe einkehrte, waren alle Beteiligten ziemlich erschöpft – aber auch stolz auf das, was gemeinsam geschafft wurde.
Danke an alle, die an diesem Wochenende mit angepackt, mitgefiebert, mitgehofft und mitgeholfen haben.
Wir sind gespannt, welche Geschichten die neue Woche für uns bereithält. Langweilig wird es bei uns ganz sicher nicht – und genau deshalb stehen wir jeden Morgen wieder gerne auf.